Ich denke ein jeder, der den Weg ins Stadion “Am Hallo” gefunden hatte und zudem Potsdam-Fan ist, hat die Reise nicht bereut. Sicher läuft noch nicht alles rund, aber um Essen eine Lektion zu erteilen, ist es ausreichend.
Aber mal zum Spiel. Über die ersten fünf Minuten kann ich nicht viel sagen, weil ich da noch außerhalb des Stadions weilte. Dies war unserer 8-stündigen Anreise geschuldet. Dennoch wurden wir -Stoner und ich- von den anderen freundlich begrüßt. Im Stadion angekommen, grinste uns ein ausgeschlafener Chefe freudig an. Hatte er doch die Abfahrt des RE nach Magdeburg verschlafen und stattdessen die Aufholjagd per ICE Stunden später aufgenommen und leider auch gewonnen. Sprich er ist nach uns losgefahren und vor uns angekommen. Kaum war man bei der treuen Fanschar der Turbinen angekommen, der erste Paukenschlag, 1:0 für Essen. Bescheidener Auftakt. Mit Freude erblickten wir dabei altbekannte Gesichter aus dem Karli, die jetzt auch häufiger auf Turbine-Tour gehen. So war die Schar diesmal schon so groß, das sie nicht mehr an zwei Händen abgezählt werden konnte.
Das Gegentor war anscheinend auch das Hallo-Wach für die Turbinen. Es musste was passieren, die überfallartigen Konter der Essenerinnen konnten so nicht weitergehen. Das Mittelfeld musste endlich seine Defensivaufgaben richtig wahrnehmen. Essen drückte, aber jetzt hielt Potsdam dagegen, folgerichtig fiel dann auch der von uns gefeierte Ausgleich. Das zweite Hallo-Wach und die ernsten Sorgenfalten auf den Trainergesichtern begannen sich zurückzubilden. Verstärkt wurde die Entwicklung durch das zweite Turbine-Tor, erzielt von Piwi. Trotz lautstarker Proteste eines einzelnen Herrens auf der Tribüne, der eine klare Abseitsposition gesehen haben will, gab Frau Steinhaus den Treffer. So gings in die Pause. Der Pausenstand und das Spielgeschehen wurden ins heimische Potsdam gemeldet und mit staunen vernahm man die ersten Halbzeitergebnisse aus den anderen Stadien.
Mit gut geölten Kehlen ging es dann in die zweite Halbzeit. Support war angesagt. Deutlich souveräner und gut unterstützt gingen die 11 Turbinen dann in die zweite Halbzeit. Die erste Vorentscheidung war mit Sicherheit der kurioseste Treffer der Partie durch Anja. Angeschossen von der Torfrau sprang der Abpraller ins Tor. 1:3, der Drops war gelutscht. Das solche Tore auch immer in Essen fallen. Erinnerungen an die Vorsaison mit einem ähnlichen Treffer durch Conny wurden wach. Die Stimmung auf den Rängen war prächtig, jedenfalls bei denen, die Turbine-Fans waren. Was jetzt folgte, war das altbekannte attraktive Angriffsspiel von Turbine. Begünstigt wurde dies durch die Einwechslung von Isi für die eher schwache Cristiane und den nachlassenden Kräften bei Essen. Der Wechsel sollte nicht nur spielerisch für Belebung sorgen sondern sich auch in Toren auszahlen. Ab der 80. Minute war Kerschowski-Time. Isi schaltete mal in den Raketengang, ließ alles was weinrote Trikots trug stehen und flankte von der Grundlinie mustergültig in die Mitte. Dort standen mehrere Turbinen einschussbereit, Conny ließ sich nicht zweimal bitten - 1:4. Dass sie sich doch zweimal bitten ließ, lag daran, dass keine zwei Minuten später exakt derselbe Angriff gefahren wurde - 1:5. Der Jubel kannte keine Grenzen mehr. Das war der Fußball, der Turbine erfolgreich gemacht hat. Und wie es aussah hatte Isi noch nicht genug, dritter Anlauf. Wieder dasselbe Muster, über außen angreifen, alles in Grund und Boden laufen und nein diesmal zog sie selbst in die Mitte und direkt ab aufs Tor. Langes Eck, Tor - 1:6.
Kurz darauf ertönte der Abpfiff, der Chefe zur spontanen Flucht aus dem Stadion veranlasste, allerdings nicht wegen etwaiger Verfehlungen, sondern nur, um seinen Zug gen Berlin zu erreichen. Der Rest feierte noch mit der Mannschaft, die sich bei den angereisten Fans per Welle bedankte. Noch auf dem Rasen und im Stadiontunnel warteten etliche Autogrammjäger auf Bilder und Unterschriften der Spielerinnen von Turbine. Selbst später am Mannschaftsbus wurden noch fleißig Autogrammkarten verteilt. Begehrt waren da nicht nur die Karten und Unterschriften der Nationalspielerinnen, sondern aller Spielerinnen. Das zeugt davon, dass man durch harte Arbeit auf dem Platz und einer gesunden Bodenhaftung mehr erreicht, als durch einen umtriebigen Manager der versucht den Verein als Marke zu promoten und europaweit zu etablieren.
(Marko )