Am Freitag, den 13. Mai, war ich genau da, wo ich sein sollte … in Frankfurt am Main. Der ursprüngliche Plan war, an diesem Tag zurück nach Australien zu fliegen, aber statt dessen bestieg ich einen ICE nach Berlin. Ich liebe Berlin!! Ich hatte dort 8 Tage verbracht und es einfach nur genossen! Ein paar Wochen lang war mir von diesem UEFA Cup Finale erzählt worden und davon, wie aufregend und wichtig diese Spiele sein würde. Ich hatte viel über den deutschen Fußball gelernt, während ich im Land war. Es war ein großer und fantastischer Kulturschock. (Im Ernst, Frauenfußball in Australien erscheint nicht existent im Vergleich zu dem, was in Deutschland geschieht. Betrachtet das nicht als selbstverständlich! Die Frauenbundesliga rockt!) Turbinefans hatten mir einiges über den Fußball in Deutschland beigebracht und dann stand ich kurz davor, Europa zu verlassen, bevor ich die Mutter aller Spiele im Vereinsfußball miterleben konnte: ein UEFA Cup Finale. Ich durfte auf gar keinen Fall zurück nach Australien, ohne eines dieser Finals gesehen zu haben. Außerdem hatte ich auf einige Fragen noch keine Antworten gefunden.
„Was gehört alles zu einem UEFA Cup Spiel? Was würde ich sehen? Werden sich meine Ohren an die betäubende Lautstärke des Gebrülls der Turbine ans gewöhnen. Werden in Stockholm Bratwürste verkauft? Wird Turbine gewinnen???!!!“
Okay, zwei Wochen zurück. Meinen ersten Eindruck von Turbine und seinen Fans erhielt ich am 1. Mai, als ich von Berlin nach Potsdam reiste, um das Spiel gegen den SC 07 Bad Neuenahr zu sehen. Natürlich verirrte ich mich erst einmal, sobald ich in Potsdam angekommen war!
Wo war das Karl-Liebknecht-Stadion? Babelsberg? Ich war am Potsdamer Hauptbahnhof gelandet. Also fuhr ich eine Station zurück und ging dorthin, wo ich eine große Menschenansammlung für ein Frauenfußballspiel und jede Menge Weiß und Blau vorfand. Es gab so viele, die Potsdam-Shirts und -Schals trugen. Und überall Fahnen! Willkommen beim Fußball in Europa! Willkommen in Potsdam!
Das erste, was mir auffiel, war, wie hübsch und groß das Stadion war. Hier dürfen Frauen spielen? Klasse! Die Unterstützung für diesen Verein war großartig. Ich vergleiche all das mit dem, was weiblichen Fußballern in Australien geboten wird. Als ich zuhause zu einigen Länderspielen der Frauen gegangen bin, gab es keine Fanartikel, kaum Fans und die Zuschauer saßen auf dem Gras in der Nähe der Außenlinien, weil es keine Sitzgelegenheiten gibt. Deshalb war es etwas völlig anderes all das hierzu sehen.
Bevor ich in Deutschland ankam, wusste ich von Turbine Potsdam nur, dass sie jahrelang so nahe dran gewesen waren, den FFC Frankfurt (buh!) als die Nummer Eins im Land abzulösen. Aber mir war gesagt worden, dass sich das zuletzt geändert hatte. Obwohl ich noch nie das komplette Team hatte spielen sehen, hatte ich einige der Spielerinnen bei den Olympischen Spielen in Sydney und Athen im Fernsehen gesehen und war von dem Talent und der Bescheidenheit der Potsdamer Fußballerinnen beeindruckt. Vom gelegentlichen Schauen nach den Ergebnissen der Bundesliga und einem Gefühl des Stolzes angesichts der Frankfurter Niederlagen (die seltsamer weise natürlich geschehen waren, bevor ich in Deutschland ankam!) war es nun also dazu gekommen, dass ich mit eigenen Augen deutschen Vereinsfußball sehen würde. Ich war mir nicht sicher, was ich zu erwarten hatte, ich war nicht sicher, wen ich treffen würde und so ging ich zur Kasse, atmete tief ein und hoffte auf das Beste.
Die arme Frau an der Kasse! Ich hatte keine Ahnung, wovon sie sprach, bis sie anfing zu gestikulieren und von ihrem Stuhl aufstand, um mich zu fragen, ob ich einen Sitz- oder einen Stehplatz wollte. Nachdem ich das irgendwann verstanden hatte, war ich endlich im Besitz eines Bundesligatickets. Doch was nun?
Ich ging zum Fanartikelstand, wo ich mit viel Glück einen Schal bekam. Ich musste einen Schal kaufen, oder? Niemand in Australien hat einen Potsdam Schal!
Es war eine gute Idee, um sich den anderen anzupassen … um zu versuchen, sich den anderen anzupassen! Hat nicht so richtig geklappt. Ich glaube, ich bin ziemlich aufgefallen. Wie in einer Kleinstadt kannte jeder jeden, der zu Turbine Spielen kommt und ich war ein neues Gesicht. Außerdem sprach ich sehr schlechtes Deutsch! Wie auch schon der Kauf des Tickets, war der Kauf eines Programmheftes nicht einfach, denn er schloss eine Rückfrage in Deutsch mit ein. In sehr, sehr schnellem Deutsch. Ich runzelte die Stirn, sah verwirrt aus und antwortete mit „Ich bin Ausländer – bitte langsam.“.
„Woher kommen Sie?“
„Australien“
In diesem Moment traf ich auf Detlef und er schien zu wissen, dass ich zu diesem Spiel kommen wollte. Ich wusste noch nicht, weshalb. Nach kurzen Begegnungen mit Marko und Nadine B. machten wir uns auf die Suche nach Sitzplätzen. Ich war immer noch dabei alles auf mich wirken zu lassen, als das Spiel begann. Ich konnte nicht glauben, dass so viele Menschen dort waren. Das erscheint bestimmt seltsam. Es waren nur ein paar hundert Leute dort, aber für mich waren es einfach eine Menge.
Ich fand einen Sitzplatz umgeben von Fremden, die denselben Plan hatten wie ich: die Heimmannschaft siegen zu sehen. Ich weiß nicht, warum ein Ansager über die Lautsprecher notwendig war. Können das nicht einfach die Fans machen? Es war lustig zu hören, wie der Ansager aufhörte zu sprechen, damit die Fans den Namen jeder einzelnen Spielerin brüllen können, wenn ihre Nummer angekündigt wurde. Das ist vermutlich Standart im europäischen Fußball für die Heimmannschaft. Oder vielleicht ist es auch nur eine Potsdam-Sache. Sobald das Spiel begonnen hatte, wurde ich mit dem deutschen Fußball bekannt gemacht. Ja, das Bejubeln von Toren und Ausbuhen falscher Entscheidungen ist Standart, aber singen? Anfeuerungsrufe? Trommeln? Alles klar, dann! Immer her damit!
„TUR-BIN-E!! TUR-BIN-E!! TUR-BIN-E!! TUR-BIN-E!!”
Meine Ohren bluteten und ich fand es großartig! Wow! Es wurde so laut und enthusiastisch angefeuert. Und es ging so weiter bis zum Ende des Spiels. Es war genauso interessant, die Potsdamer Fans anzuschauen, wie der Fußball an sich.
Ich fand die riesige Turbine-Fahne “Unsere Stadt, unser Team” großartig. Es war sehr cool, wie sie praktisch aus dem nichts kam und einen Teil der Zuschauer nach Turbines erstem Tor verdeckte. Ich hatte keine Vorstellung, was es sein könnte, bevor ich von unten das Turbine-Logo sah. Die Mädels müssen es lieben, das vom Spielfeld aus zu sehen, nachdem sie ein Tor gefeiert haben.
Die TV-Crew hat mich überrascht. Es ist klasse, dass Höhepunkte des Spiels später am Abend im Fernsehen gezeigt werden. Ich hatte das nicht erwartet (ich hatte auch nichts von dem erwartet, was nach dem geschah) und versuchte, mein Gesicht von der Kamera fern zu halten .. jedenfalls dieses Mal! Ich glaube, mitten unter den lautstarken Fans zu sitzen war genau so ein großes Highlight, wie bei dem Spiel zu sein. Die Unterstützung, die der Verein von seinen Fans erhält, finde ich immer noch unglaublich. Kein Wunder, dass Potsdam das Spiel 3:0 gewann.
Nach dem Spiel und nachdem ich beobachtet hatte, wie die Spielerinnen sich mit ihren Fans unterhalten, traf ich auf Stoner, die in perfektem Englisch zu mir sagte: „Bist du die Australierin?“ Das verwirrte mich ein wenig … um nicht zu sagen sehr! Woher kannten diese Leute mich?! Ich erfuhr später, dass Nadine B. schon vor einem Monat auf einer Webseite meinen Besuch angekündigt hatte. Das erklärte alles! Statt mir die Sehenswürdigkeiten von Potsdam anzusehen, wie es ursprünglich mein Plan gewesen war, nahm ich also die Einladung an, den Nachmittag mit den Mitgliedern der Turbine Adler zu verbringen. Es war großartig etwas über den Verein zu erfahren und was im letzten Jahr geschehen war mit der Vorbereitung und den Wettkämpfen zum UEFA Cup. Ina, Stoner, Marko, Mark und Carolin haben sich an diesem Tag gut um mich gekümmert. Danke, Leute! Zu diesem Zeitpunkt dachte ich, wie schade es war, dass ich nur ein Spiel mit all den Turbine-Fans sehen würde. Ich war auf dem Weg nach Frankfurt und hatte vor, mir in der nächsten Woche ein weiteres Spiel anzusehen, aber es sah so aus, als ob nicht viele der Fans dort sein würden. Dies war ein weiterer Gedanke von mir, der sich mit der Zeit als falsch herausstellen würde.
Ich war bereits einige Tage in Frankfurt, bevor ich zum Spiel des FSV Frankfurt gegen Turbine ging. Die Stadt ist die Heimat von Potsdams Rivalen (dem anderen Frankfurter Team). Sie hatte mit Sicherheit nicht den Charme von Potsdam oder Berlin (ich hatte übrigens doch noch die Potsdamer Sehenswürdigkeiten abseits des Fußballs zu sehen bekommen und war begeistert. Was für eine wunderschöne Stadt!). Nach einem Tag war ich von Frankfurt gelangweilt und fuhr am nächsten Tag weiter nach Heidelberg! Am dritten Tag blieb ich jedoch in Frankfurt und machte mich auf in Richtung Bornheimer Hang. Auch bei diesem Spiel dachte ich zunächst ich würde es verpassen. Ich konnte partout nicht herausfinden, wo das Stadion war. Ein DB-Angestellter musste mich wortwörtlich zu den Gleisen führen (weil sie so versteckt lagen und es nirgendwo Schilder für arme Ausländer gab). Nachdem ich bei der richtigen Haltestelle ausgestiegen war, wanderte ich kopflos in die grobe Richtung Bornheimer Hang und hoffte auf das Beste. Nachdem ich eine schlechte Wegbeschreibung von einem betrunkenen Herrn, der kein bisschen hilfreich war, bekommen hatte, fand ich wie durch ein Wunder einen Fußballplatz. Und – Moment mal! Auf den Schildern stand FSV. Ich hatte endlich hingefunden! Trotzdem sah ich immer noch sehr verloren aus, als ich das Stadion betrat, bis Detlef „ERICA!!“ schrie.
Obwohl nicht einmal die Hälfte der Fans für Potsdam war, machte das ganz und gar keinen Unterschied. Turbine hatte die lauteste Fangruppe vor Ort. Viele waren aus verschiedenen Regionen Deutschlands angereist, um ihren Verein zu unterstützen. Ich glaube Stoner und Marko waren die ganze Nacht über aus Berlin angereist! Ich liebe die Vorstellung, jedes Wochenende durch das Heimatland zu reisen. Australier haben dazu nicht die Möglichkeit (es sei denn man hat das Geld, jedes mal zu fliegen!). Die Atmosphäre kam definitiv nicht an den Standart der letzten Wochen heran. Die Fans des FSV schienen keine zu kreieren. Von der Menge her waren sie in der Überzahl, aber mit Sicherheit nicht von der Begeisterung her. Es gab aus ihren Reihen Jubel und Anfeuerung, aber alles, was ich hörte war „TUR-BIN-E!! TUR-BIN-E!!” (Vielleicht war das noch der Nachhall des Klingelns in meinen Ohren aus der letzten Woche)
Es war ein kalter Nachmittag. Während des Spiels regnete es hin und wieder. Mir was eiskalt und angeblich sollte demnächst der europäische Sommer losgehen! Im Ernst?! Seltsam! Vielleicht war das Grund für den Mangel an Toren für beide Teams – tatsächlich wurden keine geschossen … von niemandem. Und die FSV Fans feierten das, als ob sie das Spiel gewonnen hätten. Das war für mich eine weitere Form der Einsicht darin, wie die anderen Vereine in der Liga Turbine einschätzen. Ein Unentschieden gegen das Team war ein gutes Ergebnis! Für sie war es genauso gut wie ein Sieg. Wieder war eine Kamera des RBB beim Spiel. Die Berichterstattung ist immer gut für die Liga!
Ich hatte das zweite und letzte meiner Turbine-Spiele gesehen. Ich hatte noch 5 Tage in Europa und hörte ständig von allen, dass das nächste Spiel für den Verein das UEFA Cup Finale war. Es fand in einem anderen Land statt, schien viel wichtiger und eine größere Herausforderung zu sein, als alle anderen Spiele, die in dieser Saison noch anstanden. Ich war neidisch – auf euch alle! Ihr würdet dorthin fahren können und ich musste nach Hause. Ich hatte inzwischen eine leise Ahnung davon bekommen, wie außergewöhnlich es war, dass Turbine die neuen Europa-Champions werden konnten!
Nach dem Abpfiff gab es eine spielerische Diskussion darüber, ob ich in Europa bleiben würde, um das UEFA Cup Finale in Stockholm zu sehen. Zu diesem Zeitpunkt habe ich nicht ernsthaft in Erwägung gezogen das zu tun. Ich habe Stoner und Marko nur damit aufgezogen, dass ich meinen Flug ändern und mitkommen würde. Ich erfand eine dumme Ausrede nach der anderen und auf jede gab es eine Antwort! Außerdem wollte ich ganz einfach Schweden sehen! Bevor ich in Deutschland angekommen war, hatte ich Europa bereist und 8 Länder in 12 Tagen gesehen. Ich fand es toll, beinahe jeden Tag ein neues Land zu sehen. Und nun gab es die Chance noch ein weiteres Land zu sehen, aber ich musste nur einen Tag vor Anpfiff des Hinspiels zurück nach Australien fliegen. Ja, ich war neidisch! Aber nichts von dem, was Stoner oder Detlef oder Marko zu mir darüber gesagt hatten, dass ich meinen Flug ändern und mit ihnen nach Stockholm kommen sollte, war mir präsent geblieben …
… jedenfalls redete ich mir das ein.
Mittwoch 11. Mai 4.00 Uhr morgens
Ich war in meinem Hotelzimmer in Köln. Eigentlich hätte ich zu diesem Zeitpunkt schlafen sollen, aber statt dessen war ich wach und führte Telefonate nach Australien. Zunächst rief ich meine Arbeitsstelle an, um zusätzliche freie Tage für meine Überseereise zu bekommen. Das war kein Problem. Cool! Ich musste also nicht mehr am Montag Morgen zur Arbeit.
9:30 morgens
Ich hatte meine Fluggesellschaft angerufen, um meinen Flug zu ändern. Ohne Schwierigkeiten oder zusätzliche Kosten konnte ich ihn um 4 Tage verschieben. Und das war’s.
Plötzlich hatte ich 4 Extra-Tage in Europa! YAY!!!!!!!!
Die nächsten 24 Stunden waren verrückt! Ich musste herausfinden, wie ich nach Schweden kommen würde, wo ich das Wochenende über bleiben würde, wie ich nach Schweden kommen würde … Wie würde ich nach Schweden kommen??!! Carolin schrieb mir und sagte, ich hätte zwei Möglichkeiten zur Auswahl. Die eine war, dass ich mit dem Team und den anderen Fans nach Schweden fliegen und im Hotel übernachten könnte. Klang prima … wenn man 450 Euro zur Verfügung hatte! Die andere Möglichkeit war wesentlich verführerischer. Nicht wegen dem Preis sondern wegen der Fortbewegungsmethode. Gen Norden zur Ostsee fahren, eine Fähre nehmen, in einem völlig anderen Land ankommen und dann einfach weiterfahren. Hallo Road Trip! Das klang nach sehr viel mehr Spaß und so war es auch!! Es war die Chance noch ein weiteres Land zu sehen, ein großes Fußballspiel mitzuerleben, Zeit mit neuen Freunden zu verbringen und etwas länger der Arbeit fern zu bleiben. Es wäre einfach verrückt gewesen, es nicht zu tun. Ich war noch nie zuvor so nahe daran gewesen nach Schweden zu kommen, und zwei Tage vorher nach Hause zu fliegen, wäre eine verschwendete Chance gewesen. >br>
Ich buchte ein Hotelzimmer für Freitagnacht in Berlin und eines für Montagnacht in Frankfurt a.M., nachdem entschieden war, dass ich mein Gepäck in Berlin lassen konnte. Am Freitag traf ich mich mit Stoner und Marko am Bahnhof Zoo. Wir brachten mein Gepäck in Markos Wohnung unter (danke Marko! Ich hätte das ganze Zeug auf keinen Fall ohne Gemaule mit nach Schweden geschleppt!!) und machten uns dann auf, um die anderen tapferen Seelen zu treffen, die uns auf der Reise begleiten würden. Ich habe mich gefreut, Carolin und Ina wiederzusehen. Es war gut sie nach dem ersten Spiel in Potsdam vor zwei Wochen noch einmal wieder zu treffen. Außerdem war es klasse mit Nicole und Bridget neue Freunde kennen zu lernen. Die Chance noch ein neues Land zu sehen und mehr Zeit mit einigen neuen Freunden zu verbringen war für mich der Hauptgrund mitzufahren. Ohne das Team von Turbine Potsdam gering schätzen zu wollen, ich hatte ernsthaft die Hälfte der Zeit vergessen, dass es der Grund für unseren Ausflug war, sie in einem sehr wichtigen Spiel zu sehen. Tut mir leid Mädels! Beim Anpfiff seid ihr mir alle wieder eingefallen!
Okay RBB, ihr schuldet mir einen großen Gefallen! Nadine B., Stoner und Marko hatten mich gewarnt, dass ich fürs Brandenburger Fernsehen interviewt werden sollte. Ich fand es ziemlich lustig, dass meine Teilnahme an der Fahrt für sie so interessant war. Aber, hey! Fragt niemals einen Australier ob er mit auf einen Road Trip möchte und erwartet, dass er nein sagt! Um ehrlich zu sein, fühlte ich mich nicht wohl dabei, interviewt zu werden. Der ganze Aufstand war mir peinlich, aber ich tat so, als ob ich wüsste, wovon ich rede und in welche Richtung der Bus sich bewegen würde … nach Norden, oder?
Die Fahrt zur Fähre war eine gute Gelegenheit für mich, mehr von der deutschen Landschaft zu sehen. Es gab ein paar Bedenken, ob ich außer meinem Pass noch etwas benötigen würde, um auf der anderen Seite des Meeres nach Schweden einzureisen. Lustigerweise gab es überhaupt keine Probleme. Gott sei dank! Es wäre ein sehr langer Weg gewesen, nur um die Einreise verweigert zu bekommen.
Manchmal hatte ich keine Ahnung, was vor sich ging. Jede Menge Unterhaltungen auf Deutsch, bei denen ich nichts mitkam und die ich nicht wirklich verstand, dann würde der Bus anhalten, alle würden aussteigen und ich würde denken „sind wir schon da?“ Aber es war kein Problem für mich, dass ich die deutschen Unterhaltungen nicht vollständig verstanden habe. Ich habe in diesen 3 Tagen soviel Deutsch gelernt. Ich hatte 6 Lehrer mit dabei. Ich hoffe mein Deutsch hat sich über die drei Tage erkennbar verbessert. An Bord der Fähre schliefen einige, aber ich war kein bisschen an Schlaf interessiert. Ich war auf dem Weg nach Schweden und zu dem Zeitpunkt, als wir auf der Fähre waren, hätte ich daheim in Australien ankommen sollen. Ich wusste, wo ich damals lieber war!
Die Sonne ging gegen 10 Uhr abends endlich unter, gerade, als wir mit der Fähre ablegten. Das ist unglaublich! Ich mag den Sommer in der nördlichen Hemisphäre! Sie ging um 4.30 Uhr morgens wieder auf, als wir durch Schweden führen und die dortigen Seen sahen. Der kleine Teil Schwedens, den ich gesehen habe, hat mir gefallen. Ich würde gerne noch einmal dorthin zurückkehren. Die Leute schienen sehr freundlich zu sein und das Land war sehr schön. Ich bin froh, dass ich einen kleinen Einblick in Skandinavien bekommen habe. Wir kamen gegen 11.30 Uhr in Stockholm an. Mein erster Eindruck nach unserer Ankunft war, dass das Stadion fantastisch ist! Ich hatte seit vier Jahren kein internationales Spiel in dieser Größenordnung gesehen. Dann erinnerte ich mich wieder an das UEFA Cup Finale. Sorry, das neue Land und die Leute hatten mich kurzfristig abgelenkt. Vereins- und Länderflaggen wehten auf dem Dach des Stadions. Ich glaube, das war der Moment, in dem mir klar wurde, wie groß dieses Spiel eigentlich war. Das hier war der größte Vereinswettbewerb in Europa. Es war eine Riesensache für alle, die das Stadion betraten, egal um zuzusehen oder um zu spielen. Der ganze Rummel und die sich aufbauende Stimmung rockten!
Das Großartigste war, dass, obwohl es sich um ein Auswärtsspiel für Potsdam handelte, trotzdem eine große Anzahl Fans vor Ort war. Vor dem Spiel kam ein Bus voll Potsdam-Anhänger an und machte sich erst einmal in Schweden bemerkbar. Ja und genau wie diese Fanatiker hatte auch ich mich angeschlossen und war über 1000km gereist, um mir ein 90-minütiges Spiel anzusehen. Super Sache!! Es gab Gesänge und Anfeuerungsrufe von all euch verrückten Deutschen und ich hatte keine Ahnung, wovon ihr überhaupt gesprochen habt! Christiane hatte an dem Tag Geburtstag weshalb alle Deutschen (und eine Australierin) ihr Happy Birthday vorsangen. Man hatte mir davon erzählt, dass sie zu Beginn des Jahres aus Brasilien gekommen war. Sie hat Glück, von allen so unterstützt zu werden, wo sie so weit von Zuhause weg ist.
Okay, wir wollen die schwedischen Gegner nicht klein machen , die offensichtlich ein großartiges Team haben müssen, um ins Finale zu kommen, aber sie hatten nicht wirklich viele Antworten parat auf irgendeine der 11 Frauen, die das Potsdam-Shirt trugen. Potsdam spielte wirklich sehr gut. Einfach mindestens eine Klasse zu gut für die Gegner. Es war aufregend, am Ende einen 2:0 Sieg zu sehen, dank scharfer Schüsse von Conny und Anja. Nach dem Spiel gab es eine großartige Feier. Die Spielerinnen spielten verrückt, genauso wie die Fans. Nach dem Spiel warteten wir darauf, dass das Team zum Bus herauskam. Ich liebe die Schal-Ehrenwache, die jeder Spielerin zuteil wird, wenn sie hinauskommt. Sie ist witzig!
Die halbe Arbeit war getan und das letzte Spiel der UEFA-Cup Saison würde in der Heimat gespielt. Irgendetwas sagt mir, ich hätte meine Heimreise um eine weitere Woche verschieben sollen. Das war nicht möglich, aber ich war glücklich, im Hinspiel des Finales dabei gewesen zu sein.
Die Fahrt zurück nach Berlin erschien mir nur halb so lang wie die Hinreise. Das lag vermutlich daran, dass ich die Hälfte der Zeit geschlafen habe. Ich war dabei meinen Körper völlig fertig zu machen, indem ich ihm keinen Schlaf zugestand, insbesondere weil ich einen schlimmen Husten hatte. Wir alle im Bus waren absolut platt. Auf der Fähre fielen wir ins Koma. Ich bin sicher die anderen Fans befanden sich ebenfalls im Koma .. aber aus anderen Gründen!
Nachdem wir zurück in Berlin waren, holte ich meine Sachen aus Markos Wohnung ab, wo ich feststellte, dass mein Interview am Vortag ausgestrahlt worden war. Wir waren auf dem Weg zurück zum Zoo, um Mark abzuholen und mich abzuliefern, damit ich zurück nach Frankfurt reisen konnte, von wo ich am nächsten Tag nach Hause fliegen sollte. Spontan beschloss ich noch nicht nach Frankfurt zu fahren. Unser Bus sollte nach Potsdam weiterfahren, um das zweite Team spielen zu sehen, und ich beschloss, dass mein Urlaub noch nicht zu Ende gehen sollte. Ich wusste nicht, wann ich meine neuen deutschen Freunde wiedersehen würde, also nahm ich die sich mir bietenden Gelegenheiten wahr.
Es war schön zu sehen, dass die Fanunterstützung auch auf das 2. Team überspringt. Es waren mit Sicherheit nicht so viele dort wie beim 1. Team, aber es war trotzdem klasse, die ‚Kleinen’ spielen zu sehen. Das Spiel an sich ist allerdings für mich etwas verschwommen. Ich wäre beinahe im Stehen eingeschlafen. Oops! Ich bereue allerdings nichts. Ich habe einfach nur versucht, das Ende meiner Reise herauszuzögern. Ich war noch nicht soweit, wieder Richtung Heimat zu fahren.
Wir mussten sofort nach dem Spiel los, um den Bus wieder zurück zu bringen. Wir fuhren direkt zurück zum Bahnhof. Das war nicht nur der Abschied von den Adlern und Turbine Potsdam, es war auch der Abschied von Deutschland und Europa. 18 Stunden später war ich in der Luft auf meinem Heimflug nach Australien.
Bevor ich in Deutschland angekommen war, hatte ich geplant, mir zwei Spiele von Turbine Potsdam anzusehen. Ich dachte, ich würde im Stadion sitzen, das Team spielen (und hoffentlich gewinnen) sehen und mir dann weiter die Sehenswürdigkeiten verschiedener Städte in Deutschland anschauen. Ich wusste nicht viel über den Verein, ich wusste nicht einmal, dass die Adler existieren und ich hatte keine Ahnung, was gemeint war, wenn jemand von ‚dem Tier’ sprach (haha – Klassiker!).
Vielen Dank euch allen, dafür, wie ihr mich in die Turbine Familie aufgenommen habt. Ganz besonderen Dank an die Adler! Ich hatte eine großartige Zeit und hoffe euch alle bald wieder zu sehen. Viel Spaß dabei, Turbine Potsdam in der neuen Saison anzufeuern – genießt es!
( Festgehalten von Erica (Übersetzung stoner) )