Mit Platz 3 in der Bundesliga und dem Halbfinaleinzug im DFB-Pokal ging Turbine ins Jahr 2009 und keiner ahnte was es noch bringen sollte. Zunächst standen die Hallenpokale in Jöllenbeck und Magdeburg auf dem Programm. In Ostwestfalen lief es sehr durchwachsen und nach einer knappen Halbfinalniederlage gegen die Turniersiegerinnen aus Duisburg gelang immerhin noch der 3. Platz.
In Magdeburg konnte Potsdam erstmalig als Lokalmatador auf dem Kunstrasen agieren, aber dieser Druck schien zunächst zu groß. Mit drei Unentschieden zitterte man sich in Viertelfinale. Dort wartete Bayern München und es sollte das wahrscheinlich beste Spiel des Turniers werden. 7 wunderschöne Tore und die Potsdamerinnen gingen als knapper Sieger mit 4:3 vom Hallenparkett. Dies schien der Startschuss für das „Unternehmen Titelverteidigung“ zu sein. Wie befreit von jeder Last wurde Essen-Schönebeck im Halbfinale mit 4:0 aus der Halle gefegt. Das Finale war hochemotional und knapp, aber ging schlussendlich an Potsdam mit 2:1. Damit war der Titel aus dem Vorjahr verteidigt und das DFB-Halbfinal-Los Wattenscheid 09 ließ die Turbinefanherzen höher schlagen.
Als hätte dieser Titelgewinn neue Kräfte frei gesetzt, begann in der Liga eine furiose Serie von Punktgewinnen der Turbinen und Siege in den Spitzenspielen in Duisburg und Frankfurt. Dies ließ die Spitze noch enger zusammenrücken. Zwischenzeitlich sicherte sich der FCR Duisburg als dritte deutsche Mannschaft den europäischen Vereinstitel und war damit sicher im europäischen Geschäft. Aber Duisburg sollte eine Schlüsselrolle im Kampf um die Meisterschaft zukommen, obwohl sie selbst „nur“ Dritte wurden. Aber zunächst stand das vorerst letzte DFB-Pokalendspiel der Frauen in Berlin (die kommenden zwei Jahre in Köln und dann wer weiß wo) an und sollte für alle Turbinefans unvergessen bleiben.
Am 30.05.2009 ging Potsdam im Strudel der Spielfreude der Duisburgerinnen mit 7:0 unter. Ein Debakel und zugleich ein trauriger Rekord vorerst, da dies die höchste Finalniederlage einer Frauenmannschaft in Berlin überhaupt war. Damit hatte Duisburg binnen weniger Wochen den zweiten Titel geholt und sich damit endgültig als Topmannschaft in Deutschland gezeigt. Lira versprach zu diesem Zeitpunkt im Nachholspiel gegen die Bayern aus München dafür zu sorgen, dass Potsdam eine Chance auf die Meisterschaft bekommen sollte.
Dank des Wettergottes und des jährlich unheimlich engen Saisonplanes kam es zwischen dem 21. und 22. Spieltag, nur 4 Tage nach dem Pokalfinale, zu dem richtungsweisenden Nachholspiel zwischen Bayern München und dem FCR Duisburg von dem Lira zuvor sprach. Eigentlich hatte Duisburg alles erreicht in der Saison (und wäre sie nur zwei Spieltage länger gewesen, wohl auch noch die Meisterschaft) und dennoch gaben sie alles gegen Bayern. So löste Lira das Versprechen ein und ohne eigenes zutun stand Potsdam auf einmal vor dem letzten Spieltag an der Tabellenspitze.
Was am 22. Spieltag dann folgte war das wohl spannendste Finale um die deutsche Meisterschaft seit dem Endspiel in Potsdam gegen den Erzrivalen aus Frankfurt. Es war ein Fernduell das man eigentlich nicht gewinnen konnte. Bayern beim abgeschlagenen Schlusslicht Crailsheim und Potsdam gegen die „Filiale“ aus Wolfsburg. Jedes Tor auf den zwei Plätzen konnte die Entscheidung bringen. Auf dem einen, nämlich in Potsdam war mit einem 3:0 nach 90 Minuten warten angesagt. Die Crailsheimerinnen wehrten sich tapfer und speziell beide Torfrauen die zum Einsatz kamen wuchsen über sich hinaus. Da sich die Torhüterin Kaller in den Schlussminuten verletzte, behandelt und ausgewechselt werden musste, war im Karli warten angesagt. Ihr Ersatz Kirsamer machte ihre Sache genauso gut und dann brandete unendlicher Jubel durch Potsdam. Schlusspfiff in Crailsheim und exakt ein Tor machte den Unterschied zwischen Meister und Vizemeister. Und die neue Meisterschale wurde in Potsdam an Jenny überreicht. Unsere jungen Wilden hatten das unglaubliche geschafft und schenkten sich und uns den unerwarteten Meistertitel. In diesem Moment ging ein großer Dank sowohl nach Crailsheim als auch nach Duisburg. Aber das Turbine-Team hatte natürlich den größten Teil dazu selbst beigetragen. So war das Pokalfinale vergessen und es wurde gefeiert bis der Arzt kam.
Gleichzeitig stellten die Verantwortlichen bei Potsdam die Weichen für die kommende Saison. Zwei Doppelpacks wurden für die neue Saison verpflichtet. Aus Duisburg Lira und Coco und aus Saarbrücken Nadine und Josephine. Ein klarer Fingerzeig, dass man in allen drei Wettbewerben was bewegen wollte.
Nach der erfolgreichen EM der Nationalmannschaft mit dem Titel war dann endlich auch wieder Liga-, Pokal- und CL-„Alltag“ angesagt. Was jetzt kam hatte keiner, außer vielleicht Schrödi, erwartet.
Die Neuzugänge schlugen von Anfang an ein und junge Spielerinnen kamen aus ihrem Vorjahrestief (ich freu mich für Jessi Wich) mit vollem Schwung zurück. So zeigte Potsdam von Anfang an spielerisch und erfolgreichen Frauenfußball auf hohem Niveau in allen Wettbewerben. In der Liga war es ein guter Start mit anschließendem Durchstarten, da das Unentschieden in Bayern, Duisburg und der Sieg gegen Frankfurt den Weg auf Platz 1 zur Winterpause ebnete. Die zwischenzeitliche Überraschungsmannschaft aus Bad Neuenahr wurde ebenfalls in die Schranken gewiesen. Die Bilanz ist sicherlich beeindruckend, bei zwölf Spielen 10 Siege und nur zwei (besagte) Unentschieden. Momentan ernster Verfolger ist nur der FCR Duisburg, was der 1.FFC Frankfurt vor allem seiner Schwäche gegen Topmannschaften zu verdanken hat und die Bayern aus München wohl der Belastung aus drei Wettbewerben.
In der Champions League wurde zunächst Espoo und dann Kopenhagen (danke das ihr die Rechnung beglichen habt) besiegt. Jetzt folgt die dritte skandinavische Mannschaft in Oslo.
Im Pokal folgte zwei unspektakulären Spielen gegen Oldesloe und Kiel der Kracher gegen Frankfurt im Karli. Wie zwei Wochen zuvor in der Liga hatte Frankfurt zwar Gelegenheiten, aber das Spiel gewann Potsdam, weil es einfach seine Tore machte. Das neue Sturmtrio aus Anja, Lira und Jessi harmoniert perfekt.Das Mittelfeld ist durch Nadine kreativer und Josephine in der Abwehr hält den Laden dicht. Coco muss derzeit leider eher zuschauen, obwohl sie zu Beginn der Saison sich auf der linken Seite von Turbine festgesetzt hatte.
So bleibt als Bestandsaufnahme für den Übergang in 2010 nur: Turbine ist in der Liga auf Platz 1, im Pokal wieder im Halbfinale und in der Champions League auf einen guten Weg. Wer uns allen das am Anfang des Jahres 2009 erzählt hätte, wäre wohl nur müde belächelt worden. Aber jetzt ist es halt so gekommen und was bleibt (neben den für immer unvergesslichen Momenten) ist, dass wir als Fans uns nur bedanken können bei der Mannschaft, den Trainern, den Sponsoren und den Fans selbst für dieses wunderschöne Jahr und zusammen in ein neues, aufregendes und hoffentlich erfolgreiches Jahr 2010 blicken sollten.
Die Adler wünschen Allen ein frohes und gesundes neues Jahr.